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Referat Öffentlichkeitsarbeit

Licht am Ende des Tunnels?

Würzburg. In den unterfränkischen Grund- und Mittelschulen hat sich zum Schuljahresbeginn 2025/26 die Lehrkräfteversorgung bei leicht steigenden Schülerzahlen etwas verbessert. Nach Jahren der Minimalversorgung, in denen nur die zum großen Teil ungelernten Ersatzlehrkräfte die Erfüllung der Stundentafeln ermöglichten, gibt es in diesem Schuljahr wieder mehr grundständig ausgebildete Lehrkräfte.

Helmut Schmid, Vorsitzender des Unterfränkischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (ULLV), lobt die bessere Personalausstattung. Andererseits gibt er zu bedenken: „Die Verbesserungen sind ausschließlich darauf zurückzuführen, dass es wieder mehr Grundschullehrkräfte gibt. Lehrerinnen und Lehrer in den Mittelchulen und Fach- und Förderlehrkräfte sind weiterhin Mangelware. Die Lage hat sich im Vergleich zum Vorjahr leicht verbessert, ist aber noch lange nicht gut!“

„Ohne die vielen Ersatzlehrkräfte wäre auch im nun beginnenden Schuljahr ein Unterricht nach Stundenplan nicht möglich“, betont Julia Schuck, stellvertretende Vorsitzende des ULLV. Nach wie vor sind die Schulen außerdem zu „kreativen“ Maßnahmen gezwungen, d.h. Überschreiten von Höchstgrenzen im Fachunterricht, Zusammenlegen von konfessionellen Gruppen oder Streichung von Förderunterricht.

Ein großes Problem spricht die Grundschulrektorin Schuck überdies an: „Nach den Sprachstandserhebungen im Frühjahr, bei denen der Förderbedarf für die damals 4jährigen Kinder erhoben wurde, ist nach wie nicht klar, wer einen qualifizierten Sprachunterricht für diese künftigen SchülerInnen leisten soll.“

Der Personalmangel wird weiterhin die Schulqualität beeinflussen. Das Kultusministerium hat zwar Programme, z.B. zur Verbesserung der Lesefertigkeit und Lesefähigkeit aufgelegt. Allein die Umsetzung hängt aber stark an dafür entsprechend ausgebildeten Lehrkräften.

„Auch in Sachen Bildungsgerechtigkeit muss sich Bayern dringend verbessern“, fordert Ingrid Otto, ebenfalls stellvertretende ULLV-Vorsitzende. „Es darf nicht sein, dass ein 10 Jahre altes Kind, vollständige Familie, Eltern ohne Abitur, Haushaltseinkommen der Familie unter 2600 Euro im Monat, in Bayern mit einer Wahrscheinlichkeit von 21 Prozent ein Gymnasium besuchen wird, ein ebenso altes Kind, Eltern beide Abitur, Monatseinkommen der Familie über 5500Euro, mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent ein Gymnasium besuchen wird.“ „Das ist schreiend ungerecht“, beklagt der ULLV-Vorsitzende Schmid und erwartet rasche Maßnahmen seitens des Kultusministeriums. In einem Ranking aller Bundesländer nach einer ifo-Studie aus dem Jahr 2024 Bayern belegt den letzten Platz in Sachen Bildungsgerechtigkeit/Übertritte in weiterführende Schulen.

Der ULLV hofft, dass das angelaufene „Startchancenprogramm“ des Bundes, an dem sich ab dem kommenden Schuljahr 53 unterfränkische Grund- und Mittelschulen beteiligen dürfen, im Sinne der Bildungsgerechtigkeit wirkt.

Einerseits anerkennt der ULLV Maßnahmen des Ministeriums zur Verbesserung der Lehrerkräfteversorgung. Andererseits muss nach wie vor die „Kernmannschaft“, die grundständig ausgebildeten Lehrkräfte, gut bedient werden. Sie trägt seit Jahren die Hauptlast: Vertretungen für erkrankte Kollegen, Doppelführung von Klassen und die Anleitung von Aushilfen zehren an den Kräften. Leidtragende der Bildungsmisere sind auch die Schulleitungen, deren Arbeitsbelastung weiterhin drastisch steigt. „Dass von ihnen noch Impulse für die Schulentwicklung ausgehen, grenzt an ein Wunder,“ so Schmid.

Langfristig plädiert der ULLV dafür, den Lehrberuf attraktiver zu gestalten. Die Besoldung nach A13 für alle Lehrkräfte an Grund- und Mittelschulen ist der richtige Weg. Die Umsetzung müsse aber schneller gehen. Es müssen zudem weitere Schritte folgen. Unter anderem nennt der ULLV die Steigerung des Ansehens des Berufs, eine bessere Arbeitsplatzausstattung, die Beibehaltung dienstrechtlicher Maßnahmen (z.B. Teilzeitmöglichkeiten), eine wesentlich verbesserte Aufstellung der multiprofessionellen Teams an Schulen und eine weitere Entbürokratisierung. Zuletzt könnte der Arbeitsplatz Schule attraktiver werden, wenn für Eltern mit Kindern die Kleinkindbetreuung wesentlich verbessert werden könnte.

Zuletzt fordert der Lehrerverband die Neukonzeption der Lehrerbildung mit dem Ziel größerer Durchlässigkeit zu forcieren. In diesem Zusammenhang wird ausdrücklich gelobt, dass zur Behebung des Fachlehrermangels ein weiteres Staatsinstitut in Unterfranken errichtet werden soll. Und auch die Maßnahme, das Studienangebot „Schulpsychologie“ an der Universität Würzburg an dem Wintersemester 2025/26 zu etablieren, ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Die komplette Pressemitteilung kann unten im PDF-Format heruntergeladen werden.