BLLV-Protestaktion gegen „Notmaßnahmen“ - Mehr als 5000 Protest-Karten gegen die geplanten Notmaßnahmen des Kultusministeriums gesammelt

Würzburg-Land. „Wir Lehrerinnen und Lehrer sollen nun ganz allein den Karren aus dem Dreck ziehen – nicht mit uns!“ Mit diesen Worten fassten Stephan Debes und Maria Bleß, Vorsitzende der Kreisverbände Würzburg-Land und Ochsenfurt des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) die derzeitige Stimmung an den Grund-, Mittel- und Förderschulen im Landkreis Würzburg zusammen.

Gestützt wurden ihre Einschätzungen durch die Vorsitzenden der 25 unterfränkischen Kreisverbände des BLLV, der BLLV-Studierendengruppe Würzburg und des Jungen BLLV, die mehr als 5000 Protest-Karten gegen die geplanten Notmaßnahmen des Kultusministeriums an den unterfränkischen Bezirksverband übergaben. Darauf haben die Lehrkräfte und Studierenden ihre ganz persönliche Botschaft an Kultusminister Piazolo formuliert. Die Ergebnisse der bayernweiten BLLV-Protest-Aktion „Lehrermangel: So nicht!“ werden nun nach München gebracht und gesammelt dem Kultusminister überreicht.

„Der Kultusminister bekommt am heutigen Zeugnistag von uns ein Zwischen-zeugnis, das mit dem Vermerk ´Vorrücken gefährdet´ endet“, so Bleß weiter. In den Fächern Kommunikation, Wertschätzung und Kreativität habe der Kultusminister nichts anderes als die Note 6 verdient. Dass man mit den drastischen Verschlechterungen bei der Ruhestandsversetzung (bis zu 22 Monate später), bei der Teilzeit und den Sabbatmodellen insbesondere die lebensälteren Lehrerinnen und Lehrer belastet, zeuge weder von nötigem Fingerspitzengefühl noch von der erforderlichen Wertschätzung gegenüber dieser Beschäftigtengruppe. „Wer 35 bis 45 Jahre mit viel Engagement seinen Beruf ausgeübt hat, der hat ein solches Verhalten seines obersten Dienstherrn nicht verdient und ist zurecht empört", betonte Debes.


BLLV-Aktionstag gegen „Piazolo-Paket“

ZELL a. MAIN „Auch wir, die Kolleginnen und Kollegen der Grund-, Mittel- und Förderschulen im Landkreis Würzburg machen mit beim landesweiten Protest gegen die Maßnahmen des Kultusministeriums im Zuge des Lehrermangels, die ab dem kommenden Schuljahr auf unserem Rücken ausgetragen werden sollen. So nicht!“, so die Vorsitzenden der Kreisverbände Würzburg-Land und Ochsenfurt des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Stephan Debes und Maria Bleß.

Bayernweit setzten deshalb am Freitag, 7. Februar, viele Tausende bayerischer Grund-, Mittel- und Förderschullehrkräfte, auch aus dem Landkreis Würzburg, ein Zeichen und schickten auf Karten und Fotos persönliche Botschaften mit ihrem Missfallen an den Kultusminister. Die Botschaft dieser Aktion lautet: „So nicht – wir sind viele, wir sind laut und wir sind stark!“

„Die geplanten zusätzlichen Belastungen für uns Lehrkräfte wie beispielsweise Mehrarbeit für Kolleginnen und Kollegen in der Grundschule und der Wegfall des bisher möglichen Ruhestands ab 64 Jahren sind für uns völlig inakzeptabel,“ stellen Debes und Bleß fest. Viele Kolleginnen und Kollegen seien sehr enttäuscht, verunsichert und demotiviert. Sie wehrten sich dagegen, dass sie nun die Versäumnisse und das Versagen der bayerischen Schul- und Bildungspolitik in den letzten Jahren oder sogar Jahrzehnten ausbaden sollen.

Alle Lehrkräfte an diesen Schulen wären betroffen, besonders auch Kolleginnen und Kollegen, die über 60 Jahre sind und ihr Berufsende bereits mit den Möglichkeiten von Freistellungsjahren geplant, selbst vorfinanziert und mit 64 Jahren mit finanziellen Abschlägen in den Ruhestand gehen wollten. Nach den neuen Planungen des Kultusministeriums solle dies vor Erreichen des 65.Lebensjahres so gut wie nicht mehr möglich sein. Auch das Arbeitszeitkonto für Grundschullehrkräfte mit der Erhöhung der Wochenstundenzahl von 28 auf 29 Wochenstunden bei den großen Belastungen im Schulalltag stößt auf Unverständnis und Widerstand bei den Betroffenen, genauso wie die krasse Einschränkung des bisher möglichen Teilzeitumfangs. Wer bisher zum Beispiel 17 Wochenstunden Unterricht erteilte, könne sich kaum vorstellen, ab nächstem Schuljahr plötzlich 25 Stunden geben zu müssen.

Kreisvorsitzender Debes weist nochmals auf die klare Analyse des BLLV hin: „Der BLLV hat die Staatsregierung seit Jahren auf einen drohenden Lehrermangel hingewiesen, immer wieder gewarnt und konkrete Forderungen zur Verbesserung der Attraktivität des Lehrerberufs an Grund- und Mittelschulen gestellt. Jetzt sollen wir es sein, die für die Misere an den Schulen gerade stehen müssen. Lehrerinnen und Lehrer sind engagiert, qualifiziert und machen ihre Arbeit mit großem Einsatz. Nun fühlen viele ihr Engagement und ihre oft jahrzehntelange Mühe und Arbeit nicht wertgeschätzt. So nicht! Kinder, Eltern und unsere ganze Gesellschaft brauchen doch Lehrer, die froh, gerne und mit persönlicher Überzeugung ihre Schüler unterrichten und erziehen, oder nicht?“

Landrat Eberhard Nuß unterzeichnet das BLLV-Manifest „Haltung zählt"

LANDKREIS WÜRZBURG „Wir Lehrerinnen und Lehrer beobachten mit Sorge die zunehmende Aggressivität in der Sprache und in den Umgangsformen. Nicht nur in der Schule, sondern in vielen Bereichen des Lebens – in der Politik, den Medien, in den sozialen Netzwerken. Wir beobachten, wie extreme Gruppierungen und Personen den Boden bereiten für Zwietracht und Gewalt. Das gefährdet unsere Demokratie.“

Dies steht im Manifest „Haltung zählt“ des BLLV (Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband). „Wir sind der Auffassung, dass der BLLV als Bildungsverband mit gesellschaftlicher Verantwortung klar und deutlich Stellung beziehen muss“, so der Vorsitzende des BLLV-Kreisverbandes Würzburg-Land, Stephan Debes. Vertrauen, Respekt, Wertschätzung und Solidarität seien Eckpfeiler einer gerechten und friedlichen Gesellschaft. „Misstrauen, Hass, Diffamierungen, Beleidigungen, Ausgrenzung und Verachtung können gefährliche Wirkungen entfalten“, sagte er. Dass dies eine realistische Bedrohung ist, erlebe man in der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Diskussion. Dem müssten Lehrer entgegenwirken.

Der BLLV habe dieses Manifest gegen diese Verrohung von Sprache und Umgangsformen verfasst, um unsere Gesellschaft vor Spaltung, Brutalität, Rücksichtslosigkeit und Radikalisierung zu schützen, erklärte Debes. Dieses Manifest werde von vielen Prominenten unterstützt. Unterschrieben hätten bereits beispielsweise Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Landtagspräsidentin Barbara Stamm, Kultusminister Ludwig Spaenle, Hubert Aiwanger, Margarete Bause, Markus Rinderspacher, und Charlotte Knobloch.

Auch Landrat Eberhard Nuß war sofort bereit, dieses Manifest zu unterzeichnen. „Ich kann mich voll dahinter stellen“, sagte Nuß. „Gewaltlosigkeit und Respekt beginnt in den Köpfen. Das muss man den jungen Menschen nahebringen.“ Der Landrat dankte dem BLLV für diese Initiative, denn dies sage sehr viel über das berufliche Ethos aus. Debes sprach von einer Herzensangelegenheit, dass auch regionale Repräsentanten aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft aber auch ganz normale Bürger dieses Manifest unterzeichnen. „Die Kinder von heute sind die Erwachsenen von morgen. Daher besteht die Aufgabe der Schule darin, einen wertschätzenden Umgang miteinander zu lehren.“