ULLV-Delegiertenversammlung in Schweinfurt. Landtagsabgeordneter Berthold Rüth (CSU), der neue ULLV-Ehrenvorsitzende Gerhard Bleß, die stellvertretende ULLV-Vorsitzende Julia Schuck, Landtagsabgeordneter Volkmar Halbleib (SPD), BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann, der neue ULLV-Vorsitzende Helmut Schmid und seine Stellvertreterin Ingrid Otto. Foto: Rudi Merkl
Entschieden über den weiteren Kurs des Unterfränkischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes: 140 Delegierte aus ganz Unterfranken. Foto: Rudi Merkl
Mit der Karl-Heiß-Medaille ausgezeichnet wurden vom neu gewählten Vorsitzenden Helmut Schmid (Mitte) Franz Werthmann, Walther Schäffer, Stephan Debes und Peter Kiesel (von links nach rechts) Foto: Frank Rabenstein, ULLV
Peter Nossol

Es gibt den Lehrermangel

ULLV fordert mehr Lehrkräfte und eine neue Sicht auf das Lernen

Schweinfurt. Auf der Delegiertenversammlung des Unterfränkischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (ULLV) in Schweinfurt unter dem Thema Schule braucht Zukunft - gemeinsam für Qualität war viel von guter Schule die Rede. Helmut Schmid, neu gewählter ULLV-Vorsitzender, formulierte es so: „Die Güte der Schule heute wird die Qualität der Gesellschaft von morgen sein“. Deshalb forderte Schmid zusammen mit 140 Delegierten aus ganz Unterfranken deutliche Verbesserungen im Bildungsbereich.

Der ULLV will sich unter anderem für einen veränderter Lern- und Leistungsbegriff einsetzen. Dieser müsse sich in einer deutlicheren Kompetenzorientierung zeigen, weg von der Überbetonung des Abfragewissens, weg von der einseitigen kognitiven Ausrichtung, weg von der gängigen Benotungskultur und weg vom derzeitigen Übertrittmodus, „der ein Kind auf drei Noten reduziert“, so Schmid.

Größtes Problem sei derzeit der Mangel an Lehrkräften, „daran ändern auch Drittkräfte und andere Nothelfer wenig“, erklärte der ULLV-Vorsitzender. Sein Verband fordert daher mehr und ausreichend qualifiziertes Personal, gleiche Wertschätzung für alle Lehrämter und als Folge eine bessere Eingangsbesoldung für Lehrkräfte an Grund- und Mittelschulen sowie eine Neubeschreibung der Lehrerarbeitszeit. Ziel müsse es sein, die Unterrichtspflichtzeit zu senken und auch Aufgaben wie Inklusion, Integration, Beratungstätigkeit und Zusammenarbeit mit externen Partnern einzubeziehen.

Mit Sorge sieht der der ULLV, dass in Unterfranken immer mehr Schulleitungsstellen unbesetzt bleiben. Um dem entgegenzusteuern plädierten die Delegierten für eine wesentliche Erhöhungen der Leitungs- und Verwaltungszeiten unter Berücksichtigung von sozialen Indices wie zum Beispiel die Zahl der Migranten, Inklusionsschüler, Ganztagsangebote und anderer Schulstandortfaktoren sowie für eine bessere Bezahlung von Schulleitungen. Auch die Verwaltungsangestellten an Schulen sollten umgehend bessergestellt werden.

Volle Unterstützung für die Anliegen des ULLV versprach Simone Fleischmann, die Präsidentin des Landesverbandes BLLV. Sie fordert die Delegierten auf, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. „Es gibt den Lehrermangel, sagen Sie es jedem – egal, ob er es hören will oder nicht“.  Deutlich vorsichtiger formulierte der unterfränkische Regierungspräsident Eugen Ehmann, was die bevorstehende Beschulung der Ukraine-Flüchtlinge angeht: „Hier ist nur in Konturen zu erkennen, was auf die unterfränkischen Schulen zukommt“.

Schmid wurde bereits am Freitag zum ULLV-Vorsitzenden gewählt. Seine Stellvertreterinnen sind Julia Schuck aus Schöllkrippen und Ingrid Otto aus Hettstadt. Helmut Schmid war bis Juli 2021 Schulleiter der Grundschule Gerolzhofen. Seit August 2021 vertritt er als Vorsitzender des Bezirkspersonalrates die Interessen von mehr als 11.000 Beschäftigten im Geschäftsbereich der Regierung von Unterfranken.

Gerhard Bleß, Schmids Vorgänger, trat nicht mehr zur Wahl an, mit ihm endet eine Ära. Seit 47 Jahren im BLLV, engagierte er sich 22 Jahre lang als ULLV-Vorsitzender. Die Delegierten dankten ihm unter großem Beifall mit der Ernennung zum Ehrenvorsitzenden. Mit der Karl-Heiß-Medaille ausgezeichnet wurden Franz Werthmann, Walther Schäffer, Stephan Debes und Peter Kiesel.