Mehr als 5000 Protest-Karten gegen die geplanten Notmaßnahmen des Kultusministeriums sammelten BLLV-Kreisvorsitzende in ihren Kreisverbänden. Foto: BLLV
Peter Nossol

Lehrer wollen Karren nicht alleine aus dem Dreck ziehen

ULLV-Protestaktion gegen „Notmaßnahmen“

Würzburg. "Wir Lehrerinnen und Lehrer sollen nun ganz allein den Karren aus dem Dreck ziehen - nicht mit uns!" Mit diesen Worten fasste Gerhard Bleß, Vorsitzender des Unterfränkischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (ULLV) die derzeitige Stimmung an den Grund-, Mittel- und Förderschulen zusammen.

Gestützt wurde seine Einschätzung durch die Vorsitzenden der 25 unterfränkischen Kreisverbände des BLLV, der BLLV-Studierendengruppe Würzburg und des Jungen BLLV, die heute in Würzburg mehr als 5000 Protest-Karten gegen die geplanten Notmaßnahmen des Kultusministeriums an den unterfränkischen Be-zirksverband übergaben. Darauf haben die Lehrkräfte und Studierenden ihre ganz persönliche Botschaft an Kultusminister Piazolo formuliert. Die Ergebnisse der bayernweiten BLLV-Protest-Aktion "Lehrermangel: So nicht!" werden nun nach München gebracht und gesammelt dem Kultusminister überreicht.

"Der Kultusminister bekommt am heutigen Zeugnistag von uns ein Zwischen-zeugnis, das mit dem Vermerk 'Vorrücken gefährdet' endet", so Bleß weiter. In den Fächern Kommunikation, Wertschätzung und Kreativität habe der Kultusminister nichts anderes als die Note 6 verdient.

Sein Maßnahmenkatalog zur Behebung des Lehrermangels greife ausschließlich auf die uralte und inspirationslose Methode zurück, das vorhandene Personal zusätzlich zu belasten. Statt mit den vor Ort handelnden Schulleitungen und Schulämtern kreative Lösungen zu erarbeiten setze man im Kultusministerium auf obrigkeitsstaatliche Verordnungen. Diese seien am grünen Tisch mathematisch er-rechnet und würden nun den Schulen übergestülpt.

Dass man mit den drastischen Verschlechterungen bei der Ruhestandsversetzung (bis zu 22 Monate später), bei der Teilzeit und den Sabbatmodellen insbesondere die lebensälteren Lehrerinnen und Lehrer belastet, zeuge weder von nötigem Fingerspitzengefühl noch von der erforderlichen Wertschätzung gegenüber dieser Beschäftigtengruppe. Wer 35 bis 45 Jahre mit viel Engagement seinen Beruf ausgeübt hat, der hat ein solches Verhalten seines obersten Dienstherrn nicht verdient und ist zurecht empört", betonte Bleß.

Nachvollziehbar seien die Maßnahmen des Kultusministeriums auch nicht im Hinblick auf das Vorhaben, junge Menschen für den Lehrerberuf zu begeistern und zum Lehramtsstudium zu motivieren.

Wenn Kultusminister Piazolo schließlich behaupte, von den Zwangsmaßnahmen zur Behebung des Lehrermangels seien nur rund ein Prozent der Lehrkräfte betroffen (Main-Post vom 30.01.2020), sei dies eine gravierende Fehleinschätzung oder eine bewusste Irreführung der Öffentlichkeit. "Diese Aussage wird von den Betroffenen als grobe Missachtung der inzwischen bekannt gewordenen eklatanten Auswirkungen in tausenden von Fällen betrachtet", erklärte der BLLV-Bezirksvorsitzende.

Am: 16.02.2020